Plinius der Ältere Teil 1

Plinius der Ältere, secundus, NH – Buch 13

Papyrusrolle22. Der Papyrus wächst also in den sumpfigen Gegenden Ägyptens oder dort wo der Nil nicht strömt und das austretende Wasser sumpft und nicht über zwei Cubitus Tiefe hat, aus einer schräg liegenden armdicken Wurzel, hat einen dreikantigen, höchstens 10 Cuitus langen, sich zuspitzenden Stengel, obenauf  einen Blätterstrauß, der seinen Samen umschließt und jeine andere Anwendung findet als die Blüte, als dass man die Götter damit begrenzt. Die wurzeln brauchen die Einwohner wie Holz nicht nur zum Feuer, sondern auch zu anderen Hausgeräten. Aus dem Papyrus selbst aber flechten sie Fahrzeuge, aus dem Baste machen sie Segel, Teppiche, Gewänder, Decken und Taue. Sie kauen die Stengel auch Roh und gekocht, verschlucken jedoch nur den Saft. Die Papyruspflanze wächst auch in Syrien um den selben Sumpf, an welchem sich der wohlriechende Calamus findet. Man macht aber dort keinen anderweitigen Gebrauch davon als den, welchen König Antigonos davon machte, der sich desselben zu Tauen für seine Schiffe bediente, ehe man Spartum (Pfriemenkraut) erhalten hatte. Vor kurzem hat man gefunden das das Papyrus , das um Babylon im Euphrat wächst, sich gleichfalls zu Papier verarbeiten lässt. Dennoch ziehen es die Parther vor, die Buchstaben in ihre Kleider einzuweben. 

Papyrusblatt23. Papier fertigt man aus Papyrus indem man den Stengel in dünne, möglichst breite Streifen teilt. Die besten sind die aus der Mitte und dann von da der Reihe nach die anderen Streifen. Dies hieß in alter Zeit das heilige, da es für religiöse Schriften bestimmt war, aus Schmeichelei bekam es später den Namen Papier des Augustus, wie die zweite Sorte den Namen Livia von dessen Gemahlin, daher hat das heilige den dritten Rang bekommen. Die nächste Papyrus-Sorte, von dem Orte seiner Bereitung, das amphitheatrische. Die geschickte Werkstatt des Fannius zu Rom machte durch sorgfältige Bearbeitung und Verfeinerung diese geringe zu einer wahrhaft fürstlichen Sorte und gab ihm auch diesem Namen, das nicht auf diese Weise umgearbeitete Papyrus behielt den alten Namen amphitheatrische. Nach dieser kommt das saitische Papyrus so genannt von der Stadt Sais, wo zwar die größte Fruchtbarkeit ist aber das Papier (Papyrus) selbst von schlechteren Stengeln bereitet wird. Das tainiotische (taeneotische), so genannt von einer nahen Stadt kommt vom Papyrus-Streifen welcher der Rinde noch näher liegt und wird nicht nach Maßgabe seiner Güte, sondern nach dem Gewicht verkauft. Das emporetische Packpapier sodann taugt nicht zum Schreiben, sondern dient bloß zu Umhüllungen (von Papyrus) des Papiers und zum Einwickeln von Waren und hat von den Kaufleuten (Emporos) seinen Namen. Nach Ablösung dieser Teile bleibt nur noch das binsenähnliche Papyrus, das zu Tauen zu gebrauchen ist, die der Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Die Papyrus-Streifen werden auf einem mit Nilwasser benetzten Brett zusammengeklebt (zusammengelegt) und die trübe Flüssigkeit verrichtet dabei den Dienst des Leims. Zunächst klebt man ein abgelöstes möglichst langes Blatt auf das Brett, das überstehende auf beiden Seiten abgeschnitten, und vervollständigt es mit Querlagen. Hierauf wird das ganze gepresst, die Blätter werden an der Sonne getrocknet und miteinander verbunden, wobei man von den nächst geringeren bis zu den schlechtesten fortfährt. Niemals sind mehr als 20 Papyrus-Blätter in einer solchen Rolle.

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