Plinius der Ältere Teil 2

Plinius der Ältere, secundus, NH – Buch 13

Plinius der Ältere24. Der Breite nach sind sie sehr verschieden; die besten sind 13 Finger breit; die hieratischen haben zwei Finger weniger, die Fannianischen sind 10 Finger breit, die amphitheatrischen wieder einen weniger die Gaitischen noch weniger und haben nicht einmal hammerbreit … Das emporetische Papier ist nicht über 6 Finger breit. Außerdem bringt man bei dem Papier die Feinheit, Dichtigkeit, Weiße und Glätte in Anschlag. Den Rang der ersten Sorte änderte Kaiser Claudius, weil die allzu große Feinheit des augustischen Papyrus dem Schreibrohr.. nicht widerstand, außerdem die Schrift durchscheinen ließ und so für die Lesbarkeit der entgegengesetzten Seite besorgt machte,wie es sich denn auch bei seiner Durchsichtigkeit nicht wohl ausnahm. Er bildete daher aus der zweiten Papyrus-Streifenlage den Auszug, aus der ersten den Einschlag, vergrößerte auch die Breite bis zu der eines Fußes, die bei dem größeren Formate einen Cubitus betrug. Allein die Erfahrung, daß bei dem Abziehen eines einzigen (Papyrus)-Blattes leicht mehrere verletzt wurden, wies dies als einen Fehler nach. Das Claudische Papier (Papyrus) wurde daher allen anderen vorgezogen, das Augustische aber behielt seine Wert für Briefe, das Livianische aber seinen eigentümlichen, da zu dem selben nie Papyrus-Streifen von dem ersten kommen, sondern immer nur die zweiten. 

25. Unebenheiten glättet man mit einem Zahne oder einer Muschel, aber die Schrift wird dadurch unsicher, denn die Glätte des Papyrus (Papiers) nimmt diese weniger leicht an, und es schimmert zu sehr. Die von vorn herein nicht sorgfältig aufgetragene Feuchtigkeit widerstrebt gleichfalls häufig der Schrift und entdeckt sich durch den Hammer oder auch durch den Geruch, wenn man zu lässig verfahren war. Flecken entdeckt das Auge, aber Streifen mitten in den Verleimungen, wo der Papier-Pilz löscht, findet man kaum anders, als wenn das Papyrus beim Schreiben durchschlägt. Soviel Betrug kann dabei obwalten. Dann hat man die Mühe abermaliger Verbindung.

Gummi arabicum26. Den gewöhnlichen Kleister bereitet man aus feinem Mehlstaub mit heißem Wasser und setzt ein wenig Essig hinzu; denn Tischlerleim und Gummi sind zu spröde. Wer noch sorgfältiger verfahren will, seihet die weichen Teile von gesäuertem Brod in heißem Wasser durch. Bei diesem Verfahren wird der Bindestoff am feinsten und das Papyrus-Papier wird weicher als selbst Linnen. Keine Art Kleister aber darf älter oder jünger als ein Tag sein. Nachher schlägt man das Papyrus-Papier mit einem Hammer und übergeht es abermals mit Leimwasser; dabei läuft es abermals ein, wird aber wieder geglättet und mit dem Hammer gestreckt. Auf solchem Papyrus sind die alten handschriftlichen Denkwürdigkeiten des Tiberius und Gajus Grachus geschrieben, die ich bei den berühmten Dichter und Bürger Pomponius Secundus etwa 200 Jahre nach ihrer Aufzeichnung gesehen habe, und noch jetzt sehen wir so sehr häufig die Schriften Cicero´s, des vergötterten Augustus und des Vergilius.

 

Quelle: Plinius der Ältere, Naturgeschichte

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